Wenn zu viel gespielt wird

Gefahren erkennen und mit dem Kind besprechen

Ratgeber für Eltern
Wenn zu viel gespielt wird


Wenn Kinder und Jugendliche viel Zeit mit Videospielen verbringen, fürchten Eltern häufig negative Auswirkungen. Schnell ist von „Sucht“ die Rede. Doch die mit dem Spielen verbrachte Zeit alleine ist kein ausreichendes Kriterium, um von einem gefährlichen Suchtverhalten zu sprechen.

Das Thema Spielesucht bei Computer- und Videospielen ist heutzutage deutlich gegenwärtiger als noch vor einigen Jahren. Laut Untersuchungen sind meist bei Spielern von Online-Rollenspielen suchtähnliche Verhaltensweisen festgestellt worden. Online-Rollenspiele bieten durch ihre virtuelle Spielgemeinschaft mit anderen Spielern eine hohe Spielbindung. Außerdem gibt es eine riesige virtuelle Welt, die stets weiter wächst. Dadurch gibt es quasi kein Spielende.

Noch gibt es allerdings keine deutliche Abgrenzung zwischen einer echten Sucht und einer schlicht und ergreifend sehr leidenschaftlichen Begeisterung für das Hobby Videospiel. Erziehenden fällt es schwer, das Verhalten ihres Kindes richtig einzuschätzen. Die mit dem Spielen verbrachte Zeit alleine reicht nur sehr bedingt für eine Einschätzung aus.

Kurzzeitige Vielspiel-Phasen sind normal

Die meisten Videospieler berichten von „kurzen Phasen“, in denen sie sich außergewöhnlich lange mit einem Videospiel beschäftigen. Klassischerweise passiere das, wenn ein Spiel oder eine Spielkonsole neu auf dem Markt erschienen ist. Monatelang wurde auf die Veröffentlichung gewartet, nun ist das neue Spiel endlich da – und will erstmal ausgiebig ausprobiert werden. Auch wer keine Videospiele spielt, kennt das: Mit dem neuen Wagen wird eine ausgiebige Spritztour gemacht, nur zum Spaß. Und wenn die lange gewünschten Schuhe nach Hause geliefert werden, will man sie gleich bei der ersten Gelegenheit tragen – und nicht erstmal für ein paar Wochen in den Schrank stellen.

Videospiele können außerdem wunderbar ablenken von unangenehmen Situationen, wie Liebeskummer oder einer schlechten Schulnote. Dass sich Menschen über einen gewissen Zeitraum sehr ausgiebig mit einem Spiel beschäftigen, ist weder außergewöhnlich noch bedenklich.

Kritisch wird es, wenn die Vielspiel-Phase anhält. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen habe sich mittlerweile herausgestellt, dass die Parallelen zwischen einer Glücksspielsucht und der Abhängigkeit von Videospielen nicht weit auseinander liegen. Davon abgeleitet lässt sich laut Pädagogen an folgenden Merkmalen erkennen, ob ein Kind bereits ein suchtartiges Spielverhalten aufweist.

Warnzeichen für einen zu häufigen Spielkonsum:

  • Ihr Kind spielt fast täglich und über einen sehr langen Zeitraum hinweg (über vier Stunden), auch länger als dies geplant oder besprochen wurde
  • Ihr Kind reagiert auf Nachfragen über den Spielkonsum auffällig verärgert oder abweisend
  • Wenn nicht gespielt werden darf, wird Ihr Kind unruhig, ist unkonzentriert, womöglich sogar aggressiv
  • Ihr Kind vernachlässigt auffallend viele andere Hobbys und Freunde oder gar wichtige Pflichten
  • Ihre Spielzeiten-Regelung wird häufig gebrochen und Ihr Kind spricht von kürzeren Spielzeiten, als es tatsächlich verbracht hat
  • Ihr Kind reagiert auffallend euphorisch auf Spielszenen

Wichtig: Pädagogen sagen, dass ein Kind mehrere dieser Verhaltensweisen aufzeigen muss, bevor wirklich von einer gefährlichen Sucht gesprochen werden kann.

Was kann ich tun, wenn mein Kind zu viel spielt?

Wenn sich Ihr Kind außergewöhnlich lange mit Spielen beschäftigt, gemeinsame Vereinbarungen bricht oder die oben genannten Verhaltensweisen aufzeigt, sollten Sie laut Pädagogen zuerst das Gespräch mit ihm suchen. Miteinander zu reden sei viel sinnvoller als jede andere Art der Bestrafung. Wichtig ist, dass Sie verstehen, womit sich Ihr Kind die ganze Zeit beschäftigt und warum. Lassen Sie sich erklären, welches Spiel es spielt und welche Aufgaben es dort hat.

Versuchen Sie, die Faszination hinter dieser virtuellen Welt zu verstehen und probieren Sie, dies ins Positive zu kehren, indem Sie die Leistung Ihres Kindes würdigen. Immerhin, ein Spiel muss beherrscht werden, fordert gewisse Fähigkeiten ab und nur wer sich an die gegebenen Regeln innerhalb der Spielwelt hält, kommt voran. Viele dieser Gesetze sind denen der echten Welt letztendlich gar nicht unähnlich.

Da sich Ihr Kind offensichtlich an die Regeln im virtuellen Raum halten kann, geben Pädagogen den Tipp, das Kind zu ermutigen sich auch im Alltag an Regeln zu halten und es dafür zu belohnen. Allerdings sollten Sie Videospiele nicht als erzieherisches Druckmittel einsetzen. Dadurch erhalten sie einen ungewollt hohen Stellenwert im Alltag Ihrer Kinder. Belohnen und bestrafen Sie es also nicht mit mehr oder weniger Zeit fürs Spielen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Alternativen zum Medienkonsum zu finden. Besprechen Sie mit Ihrem Kind welche weiteren Aktivitäten es attraktiv findet und beobachten Sie, womit es sich abseits der Videospiele gerne beschäftigt.

Situation bewusst machen

Letztendlich sollten Sie sich nicht davor scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Häufig reicht es bereits, wenn Personen aus dem (familiären) Umkreis herangezogen werden, sagen Pädagogen. Sollte Ihr Kind dies nicht akzeptieren, machen Sie ihm die problematische Situation in der Familie deutlich, damit es die Auswirkungen verstehen kann. So können Sie in ihm die Bereitschaft wecken, das Problem gemeinsam anzugehen.

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