„Ice Age: Scrats nussiges Abenteuer“ im Test: Wenig nussig, viel nervig

Trotz dem süßen Scrat: Es gibt wahrlich bessere Spiele für Kinder.

Ein „Ice Age“-Abenteuer mit dem putzigen Scrat in der Hauptrolle – kann da schon was schiefgehen? Oh ja.

Lange ist es her, dass ein „Ice Age“-Videospiel für Konsolen erschienen ist. Und nun gibt es mit dem Titel „Scrats nussiges Abenteuer“ sogar ein Spiel, das einzig und allein das putzige Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat als spielbare Hauptfigur hat – und zudem auch noch sehr kinderfreundlich daher kommt. Es ist aber leider ein Spiel geworden, das an vielen Stellen mit ärgerlichen Design-Patzern stört und inhaltlich für geübte Abenteurer wenig Herausforderung bietet.

Die Geschichte ist simpel: Scrat hat wieder einmal seine heißgeliebte Eichel verloren – und dann auch noch in einem mystischen Tempel, der diese prompt einbehält und von dem Nager eine Gegenleistung fordert. Scrat soll vier Kristallnüsse finden und zurück zum Tempel bringen, erst dann gibt’s die Eichel wieder. Also machen wir uns durch vier verschiedene Welten auf, hüpfen, kämpfen und klettern, auf der Suche nach den Kristallen.

Das Spiel ist letztlich ein klassisches Jump’n Run. Mal geht es über grüne Wiesen, mal durch eisige Landschaften und mal in dunkle Höhlen. Die Präsentation des Spiels weiß zu gefallen. Die Grafik ist technisch zwar nicht auf dem aktuellen Stand, aber trotzdem ganz hübsch anzusehen. In den Zwischensequenzen kommt sogar echtes „Ice-Age“-Feeling auf, weil wir hier den tollpatschigen Scrat eben genau so sehen, wie wir ihn aus den Kinofilmen kennen. Auch die Steuerung geht in Ordnung. Sprünge gelingen gut und wir haben Scrat auch in heiklen Situationen unter Kontrolle.

Im Gegensatz zu den Filmen ist der naive Scrat in diesem Spiel übrigens tatsächlich lernfähig. So erhält er im Laufe des Abenteuers neue Fähigkeiten, zum Beispiel eine Art Katapultsprung, mit dem er große Sprünge machen kann, oder die Telekinese, um schwere Blöcke zu verschieben. Erst mit diesen Kräften sind bestimmte Passagen für Scrat erreichbar.

Mieses Kampfsystem

Die wirklich große Schwäche des Spiels sind die Kämpfe gegen Gegner. Denn die machen echt keinen Spaß. Wir erledigen Gegner beispielsweise mit der Stampfattacke, die wir einfach so lange wiederholen, bis alle Feinde im näheren Umfeld hinüber sind. Andere Kämpfe geraten hingegen zum wilden Knöpfchendrücken, weil nicht so richtig klar ist, ob wir gerade getroffen haben oder nicht. Das wirkt undynamisch und hölzern. Manchmal funktioniert das Spiel hier auch einfach nicht: In einem Level müssen wir uns an schlafenden Wölfen vorbei schleichen. Per Knopfdruck bewegt sich Scrat vorsichtig voran – doch plötzlich, siehe da, wacht der Wolf einfach auf. Dabei haben wir alles richtig gemacht. Verstehen kann man das nicht.

Tatsächlich verleiten die schlecht gemachten Kämpfe dazu, einfach allen gegnerischen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen und weiter zu laufen. Das geht nämlich auch fast immer und ist dem Spiel sogar völlig egal. Die Gegner scheinen von den Entwicklern eher als eine Art Beiwerk in die Level gesetzt worden zu sein – und zwar schlecht als recht.

Wenn wir einfach nur hüpfen und klettern sollen macht dieses Spiel noch am meisten Spaß.

Zum Glück sind wir die meiste Zeit damit beschäftigt, über Plattformen zu springen, an Wänden zu klettern, diverse Schalter umzulegen und kleine Rätsel zu lösen. Denn das klappt ja ganz gut und macht Laune. Innerhalb eines Levels gibt es sogar abweichende Routen, in denen versteckte Items auf uns warten. Da muss man dann schon genau hinschauen! Allerdings ist das eher etwas für echte Sammelfans, denn Einfluss auf das Spiel haben die auffindbaren Objekte leider nicht. Auch die lilafarbenen Kristalle, die überall verstreut sind, schalten lediglich ab einer bestimmten Anzahl Konzeptgrafiken im Hauptmenü frei, die wir uns dort dann anschauen können. Sie zeigen, wie das Spiel entstanden ist – mehr nicht. Da hätten sich die Entwickler ruhig etwas Besseres einfallen lassen können.

So verkommt unser Abenteuer leider zu einem simplen Gerenne durch die Level, ohne größeren Anspruch. Für ein wenig Abwechslung sorgen zumindest Passagen, die meist am Levelende kommen – dann surfen wir mit einer Eisscholle auf dem Wasser oder müssen uns durch Ringe aus großer Höhe stürzen. Das sind witzige Geschicklichkeitseinlagen, von denen es aber auch ruhig mehr hätten sein können und die ziemlich kurz sind.

Wären da nur nicht auch noch diese Endgegnerkämpfe…

Bei den zum Glück nur wenigen Endgegnerkämpfen zeigt sich erneut, dass es die Entwickler beim Kampfsystem schlicht vergeigt haben. Auch dort kommt einfach keine Dynamik auf. Es geht schon damit los, dass uns die übergroßen Gegner offenbar grundlos angreifen. Eine Erklärung gibt es nicht. Hier ist den Machern die Erzählweise wohl völlig egal gewesen, was zu den ansonsten gut gemachten Einspieler so gar nicht passen will. Auch die Kämpfe gestalten sich dann ziemlich uninspiriert. Wir werfen ein paar Schneebälle auf die Monster. Kurze Pause. Dann dreschen wir auf sie ein. Kurze Pause. Nun ganz schnell den A-Knopf mehrmals drücken, um nicht gefressen zu werden. Kurze Pause. Es folgt eine lieblos animierte Sequenz. Und dann geht das Ganze von vorne los. Das klingt nicht nur öde, das macht auch wirklich keinen Spaß.

Hinzu kommen ein paar technische Patzer. Zweimal während des Tests landete Scrat im Nichts – ein technischer Fehler. Und dann störte immer mal wieder die Kamera, die Scrat einfach so aus den Augen verliert. Bei Kämpfen gegen Gegner stört das schon sehr. Aber was soll’s auch – die machen ja eh keinen Spaß. Das will wohl nicht mal die Kamera sehen…

Am besten einfach weiterlaufen: Die Kämpfe gegen Gegner sind total langweilig.

Das war jetzt viel Kritik. Darum mal noch etwas Positives: Die wirklich sehenswerten Zwischensequenzen. DAS ist der Scrat aus den Kinofilmen in kurzen, lustigen Einspielern. Wie im Film ist Scrat mal wieder der arme Tollpatsch, der doch einfach nur seine Eichel haben will und keine Ahnung hat, in was er da nun schon wieder reingeraten ist. Und dabei ist er wirklich lustig anzuschauen.

Und wo wir gerade bei der Frage sind „Wo bin ich hier eigentlich?“: Wie ist „Ice Age: Scrats nussiges Abenteuer“ denn nun zu bewerten? Also: Für Kinder und Familien, die sich einfach über ein „Ice Age“-Spiel freuen, ist der Titel trotz seiner Schwächen durchaus unterhaltsam. Der Kern des Spiels, nämlich hüpfen, klettern und durch die Level hechten, ist gelungen und macht Laune. Im Vergleich zu anderen Spielen bewegt sich aber alles auf einem eher unterdurchschnittlichen Niveau. Und dann wäre da noch die kurze Spielzeit, denn nach knapp fünf Stunden ist das Spiel mit seinen nur vier Levels beendet. Vor allem zum Neupreis für knapp 40 Euro ist dieser Titel daher nicht empfehlenswert.

Aber: Wer es mal für um die 15 Euro erwischt und wirklich Lust hat, mit Scrat ins Abenteuer zu ziehen, kann ruhig zugreifen. Am besten aber dann einfach an den Gegnern vorbei laufen…

Fazit
"Ice Age: Scrats nussiges Abenteuer" ist eigentlich grundsolide. Es macht Laune, mit dem kleinen Nager durch die Level zu hüpfen, zu klettern und dabei kleine Rätsel zu lösen. Leider vermiesen nervige Gegnerkämpfe und technische Patzer das Abenteuer erheblich. Für Kinder gibt es bessere Spiele, die ihr Geld wert sind.
Besonders gut:
  • Scrat ist wirklich putzig anzuschauen
  • Alternative Routen mit gut versteckten Geheimnissen
Nicht so gut:
  • Langweilige und nervige Gegnerkämpfe
  • Altbackene Technik mit einigen Macken
  • Für 40 Euro ein viel zu kurzes Spiel
5
Geht so
Abwechslung - 5
Präsentation - 7
Spieldesign - 3
Umfang - 5
Geschrieben von
... spielt leidenschaftlich an der Konsole seit er mit acht Jahren ein "Sega Master System" geschenkt bekommen hat.

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