Mögliches Verbot der „Coin Master“-App würde die ganze Branche treffen

Die Glücksspielsimulation ist im Visier der Jugendschützer – das ist gut so.
Bild: IGDB.com/Moon Active

Das Smartphone-Spiel „Coin Master“ ist seit einer TV-Sendung von Jan Böhmermann bundesweit in der Kritik. Es soll klassisches Glücksspiel simulieren und damit Kinder negativ beeinflussen. Das Spiel könnte nun sogar auf dem Index landen – und das wäre nur der Anfang von weiteren Verboten.

Was ist „Coin Master“ für ein Spiel? In dem grundsätzlich kostenlosen Mobile-Game können Spieler gegeneinander antreten, indem sie Dörfer bauen und diese gegen andere Spieler verteidigen. Damit gebaut werden kann, müssen wir aber virtuelles Geld erspielen – und zwar in Form eines ebenfalls virtuellen Spielautomaten. Die Bedienung könnte einfacher nicht sein: Per Knopfdruck rattert der Automat und wir gewinnen virtuelles Geld. Der Spieler hat aber nur fünf Drehversuche pro Stunde an der Slot-Maschine, um digitale Münzen freizuschalten. Will er mehr Versuche oder keine Stunde warten, muss echtes Geld bezahlt werden. Mehr noch: Permanent werden Sonderangebote eingeblendet, mit denen die Spieler nicht nur Münzen, sondern weitere nützliche Extras mit echtem Geld kaufen können.

Glücksspiel in einer Mogelpackung?

Und genau da kommt der kritische Aspekt hinzu, denn hier lässt sich ein Glücksspielmuster erkennen. Der Vorwurf von Jan Böhmermann: Das witzige Dorfbauen soll nur davon ablenken, dass es sich hier letztlich um ein Glücksspiel im wahrsten Sinne handelt, das Kinder für die riskante Automatenwelt anfixen soll.

Besonders kritisch: Das Spiel ist von der USK freigegeben ab 0 Jahren. Inzwischen haben Apple und Google die Altersempfehlung zwar hochgesetzt, doch die USK hatte damit nichts zu tun. „Coin Master“ ist schon mehr als 50 Millionen Mal heruntergeladen worden – eine irre Zahl. Es soll vor allem bei jüngeren Spielern sehr beliebt sein. Dafür sorgten auch mehrere Werbekampagnen mit TV-Stars und bekannten Youtubern. Zwar würde sich das Spiel laut Aussagen der Entwickler an ein erwachsenes Publikum richten. Böhmermann fragt aber, warum es dann so farbenfroh-kindlich aufgemacht ist.

Er hat daher dazu aufgerufen, das Spiel auf den Index zu setzen. Und eine erste Reaktion gibt es auch schon: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) teilte mit, dass nach Böhmermanns Aufruf „eine Vielzahl an Anträgen bzw. Anregungen zur Indizierung des Spiels“ eingegangen seien. Deswegen werde „Coin Master“ nun auf jugendgefährdende Inhalte geprüft.

Sollte dem so sein, droht eine Indizierung. Spiele, die auf dem Index landen, dürfen Minderjährigen nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Auch Werbung für diese Spiele ist dann tabu.

Großer Einfluss auf die Branche möglich

Ein Urteil könnte für die ganze Branche richtungsweisend sein. Denn „Coin Master“ ist bei weitem nicht das einzige Spiel dieser Art, das für Kinder frei zugänglich ist und nach einem Glücksspielmuster funktioniert. Es gibt etliche weitere, die teilweise sogar sehr ähnliche Namen haben.

Das Geschäftsmodell hinter solchen Apps rechnet sich. Allein die „Coin Master“-Entwickler sollen bereits mehr als 280 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht haben – auch das ist eine irre Zahl. Böhmermann will herausgefunden haben, dass Investoren aus der Glücksspielbranche an solchen Apps beteiligt sind. Ihr Ziel, so Böhmermann: Die jugendlichen Gamer anfixen für echtes Glücksspiel. Die harmlose Aufmachung der Smartphone-Spiele könne dazu beitragen.

Deutlich zu sagen ist zwar, dass es sich technisch gesehen bei diesen Spielen nur um simulierte Glücksspiele handelt. Es ist also kein Spiel um Geld, bei dem Gewinn und Verlust vom Zufall abhängen. Darum hat die USK hier auch noch kein Einstufungssystem. Dennoch ist eine Beeinflussung von Jugendlichen laut Pädagogen sehr wahrscheinlich. Es wäre daher zu begrüßen, wenn der Jugendschutz solche Programme genauer unter die Lupe nimmt und zumindest bei der Altersfreigabe stärker eingreift.

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