Wenn zu viel gespielt wird

Gefahren erkennen und mit dem Kind besprechen
Foto: Mehmet Dilsiz/123rf.com
Foto: Mehmet Dilsiz/123rf.com

Wenn Kinder und Jugendliche viel Zeit mit Videospielen verbringen, fürchten Eltern häufig negative Auswirkungen. Schnell ist von „Sucht“ die Rede. Doch die mit dem Spielen verbrachte Zeit alleine ist kein ausreichendes Kriterium, um von einem gefährlichen Suchtverhalten zu sprechen.

Das Thema Spielesucht bei Computer- und Videospielen ist heutzutage deutlich gegenwärtiger als noch vor einigen Jahren. Laut Untersuchungen sind meist bei Spielern von Online-Rollenspielen suchtähnliche Verhaltensweisen festgestellt worden. Online-Rollenspiele bieten durch ihre virtuelle Spielgemeinschaft mit anderen Spielern eine hohe Spielbindung. Außerdem gibt es eine riesige virtuelle Welt, die stets weiter wächst. Dadurch gibt es quasi kein Spielende.

Noch gibt es allerdings keine deutliche Abgrenzung zwischen einer echten Sucht und einer schlicht und ergreifend sehr leidenschaftlichen Begeisterung für das Hobby Videospiel. Erziehenden fällt es schwer, das Verhalten ihres Kindes richtig einzuschätzen. Die mit dem Spielen verbrachte Zeit alleine reicht nur sehr bedingt für eine Einschätzung aus.

Kurzzeitige Vielspiel-Phasen sind normal

Videospieler berichten von kurzen Phasen, in denen sie sich außergewöhnlich lange mit einem Spiel beschäftigen. Klassischerweise passiere das, wenn ein Spiel oder eine Spielkonsole neu auf dem Markt erschienen ist. Monatelang wurde auf die Veröffentlichung gewartet, nun ist das neue Spiel endlich da – und will erstmal ausgiebig ausprobiert werden. Auch wer keine Videospiele spielt, kennt das: Mit dem neuen Wagen wird eine ausgiebige Spritztour gemacht, nur zum Spaß. Und wenn die lange gewünschten Schuhe nach Hause geliefert werden, will man sie gleich bei der ersten Gelegenheit tragen – und nicht erst mal für ein paar Wochen in den Schrank stellen.

Videospiele können außerdem wunderbar ablenken von unangenehmen Situationen, wie Liebeskummer oder einer schlechten Schulnote. Dass sich Menschen über einen gewissen Zeitraum sehr ausgiebig mit einem Spiel beschäftigen, ist weder außergewöhnlich noch bedenklich.

Kritisch wird es, wenn die Vielspiel-Phase anhält. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen habe sich mittlerweile herausgestellt, dass die Parallelen zwischen einer Glücksspielsucht und der Abhängigkeit von Videospielen nicht weit auseinander liegen. Davon abgeleitet lässt sich laut Pädagogen an folgenden Merkmalen erkennen, ob ein Kind bereits ein suchtartiges Spielverhalten aufweist.

Warnzeichen für einen zu häufigen Spielkonsum

Weist Ihr Kind mehrere dieser Verhaltensweisen auf, warnen Pädagogen vor einer gefährlichen Sucht.

  • Ihr Kind spielt fast täglich und über einen sehr langen Zeitraum hinweg (über vier Stunden), auch länger als dies geplant oder besprochen wurde
  • Ihr Kind reagiert auf Nachfragen über den Spielkonsum auffällig verärgert oder abweisend
  • Wenn nicht gespielt werden darf, wird Ihr Kind unruhig, ist unkonzentriert, womöglich sogar aggressiv
  • Ihr Kind vernachlässigt auffallend viele andere Hobbys und Freunde oder gar wichtige Pflichten
  • Ihre Spielzeiten-Regelung wird häufig gebrochen und Ihr Kind spricht von kürzeren Spielzeiten, als es tatsächlich verbracht hat
  • Ihr Kind reagiert auffallend euphorisch auf Spielszenen

Was kann ich tun, wenn mein Kind zu viel spielt?

Wenn sich Ihr Kind außergewöhnlich lange mit Spielen beschäftigt, Vereinbarungen bricht oder mehrere der oben genannten Verhaltensweisen aufzeigt, sollten Sie laut Pädagogen zuerst das gemeinsame Gespräch suchen. Miteinander zu reden ist viel sinnvoller als jede andere Art der Bestrafung. Denn es gilt ja auch herauszufinden, warum sich Ihr Kind so verhält. Das muss nämlich nicht zwangsläufig an einem Spiel liegen – eher hat es dann andere Gründe, wie Ärger im Freundeskreis, eine schlechte Note oder andere dauernden Belastungen. Das Spiel dient nur zur Ablenkung.

Dennoch gibt es Spiele, die eine enorme Faszination auswirken und daher an den Bildschirm fesseln. Versuchen Sie zu verstehen, womit sich Ihr Kind die ganze Zeit beschäftigt. Lassen Sie sich also erklären, welches Spiel es spielt und welche Aufgaben es dort hat. Versuchen Sie, die Faszination hinter dieser virtuellen Welt zu verstehen.

Pädogen empfehlen, dass Eltern die Leistung Ihres Kindes in einem Spiel würdigen sollten. Das mag merkwürdig klingen, doch sehen Sie es mal so: Ein Spiel muss beherrscht werden. Es fordert gewisse Fähigkeiten ab. Nur wer sich an die gegebenen Regeln innerhalb der Spielwelt hält, kommt voran. Und nur wer sich verbessert, schafft eine Aufgabe nach der anderen. Viele dieser Gesetze sind denen der echten Welt tatsächlich gar nicht so unähnlich. Da sich Ihr Kind also offensichtlich an die Regeln im virtuellen Raum halten kann, geben Pädagogen den Tipp, das Kind zu ermutigen, sich auch im Alltag an Regeln zu halten – und es dafür ebenso zu belohnen.

Gemüse statt Pommes – die sanfte Bestrafung

Videospiele sollten Sie nicht als erzieherisches Druckmittel einsetzen. Dadurch erhalten die Spiele einen ungewollt hohen Stellenwert im Alltag Ihrer Kinder. Belohnen und bestrafen Sie Ihr Kind nicht mit mehr oder weniger Zeit fürs Spielen. Denken Sie sich besser etwas anderes aus. Wie wär’s mit Gemüse zum Abendessen statt Pommes? Ihr Kind wird es überleben und doch merkt es, dass der Regelbruch eine unschöne – nicht besonders leckere – Folge hat.

Natürlich sollten Sie das Spielen irgendwann verbieten, wenn nichts anderes mehr hilft. Aber locken Sie Ihr Kind bitte nicht, indem Sie ihm beispielsweise mehr Zeit zum Spielen versprechen, wenn es die Hausaufgaben erledigt oder den Müll raus gebracht hat.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Alternativen zum Medienkonsum zu finden. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, welche weiteren Aktivitäten es mag oder beobachten Sie, womit es sich abseits der Videospiele gerne beschäftigt.

Wenn gut zureden nichts mehr hilft

Nicht immer sind die oben genannten Tipps erfolgreich. Manchmal sitzt das Problem dafür viel zu tief. Professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wäre eine Möglichkeit. Häufig reicht es aber bereits, wenn Personen aus dem (familiären) Umkreis herangezogen werden, sagen Pädagogen. Machen Sie ihrem Kind die problematische Situation in der Familie deutlich, damit es die Auswirkungen verstehen kann. So könnten Sie die Bereitschaft wecken, das Problem gemeinsam anzugehen.

Ihre Meinung zu diesem Beitrag?

0 0

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtangaben sind markiert. *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Passwort vergessen

Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein, mit der Sie sich registriert haben. Sie erhalten dann einen Link, um Ihr Passwort zurückzusetzen.