Was Eltern über »Fortnite« wissen müssen

Eltern aufgepasst: Die Kids lieben "Fortnite" – aber für jüngere Spieler ist es nur bedingt geeignet. Erfahren Sie, worum es in dem Spiel geht und was es zu beachten gilt.

„Fortnite“ ist zurzeit DAS Thema in der Spielewelt. Vor allem Jugendliche sind davon fasziniert. Doch warum ist das so und worum geht es in „Fortnite“ überhaupt? Und vor allem: Was sollten Eltern dabei beachten?

Das Prinzip von „Fortnite“ ist schnell erklärt: Die Spieler begegnen sich auf einer großen Insel, kämpfen gegeneinander, und wer als Letzter überlebt, gewinnt. So einfach lässt sich der „Battle Royale“-Modus von „Fortnite“ beschreiben, der in Klassenzimmern, in Vereinen und bei Elternabenden zurzeit ein beherrschendes Thema ist, und der weltweit von Menschen auf Konsole, am PC oder auf dem Smartphone gespielt wird. Rund 125 Millionen Menschen spielen „Fortnite“, bis zu zwei Millionen davon gleichzeitig – und viele davon sind Teenager.

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Es gibt zwei Varianten von „Fortnite“

Was viele nicht wissen: „Fortnite“ umfasst zwei Spielvarianten – und nur eine davon ist kostenlos. In der kostenpflichtigen Variante, die sich „Rettet die Welt“ nennt, müssen wir mit anderen Spielern eine Festung aufbauen, um die letzten menschlichen Überlebenden vor Zombies zu schützen. Diesen Modus können wir auch ganz alleine und offline spielen.

In der kostenpflichtigen Variante von "Fortnite" kämpfen wir gegen eine Horde von Zombies, um die restlichen überlebenden Menschen zu retten.

Viel bekannter ist aber die kostenlose Online-Variante „Fortnite: Battle Royale“, in der es – wie bereits beschrieben – darum geht, alle anderen Spieler zu töten, um selbst zu überleben. Das klingt nun schlimmer, als es in „Fortnite“ tatsächlich dargestellt wird. Zwar kommen wir nur mit Waffengewalt an unser Ziel, doch „Fortnite“ kommt beinahe ohne Gewaltszenen aus. Die Grafik ist nicht realistisch, sondern in bunter Cartoon-Optik. Es fließt auch kein Blut und es gibt keine Leichen zu sehen. Wer stirbt, wird einfach aus der Welt teleportiert. Dann ist die Runde vorbei und eine neue beginnt.

Trotzdem hat die USK den „Battle Royale“-Modus mit einer Freigabe ab 16 Jahren eingestuft. Für jüngere Spieler ist das Spiel also nicht zu empfehlen. Die andere Variante, „Rettet die Welt“, hat hingegen eine Freigabe ab 12 Jahren. Das dürfte der freundlicheren Grundthematik geschuldet sein, denn statt andere Mitspieler zu töten, müssen Spieler einander helfen.

Eine Insel als Schlachtfeld

Jede Spielrunde in „Fortnite: Battle Royale“ startet auf dieselbe Weise: Die Spieler schweben in einem fliegenden Bus (ja, tatsächlich) über einer großen Insel. Ein Countdown läuft ab, dann ist es Zeit aus dem Bus auszusteigen. Nun stürzen wir auf die Insel zu und müssen früher oder später die Reißleine ziehen, um per Fallschirm sanft zu landen. Der kurze Flug gibt uns die Möglichkeit, interessante Stellen auf der Insel zu erkundschaften und diese gezielt anzufliegen. Mehrere Orte liegen auf dem Eiland, wie kleine Siedlungen, Einkaufszentren und große Seen. Gerade an Orten mit vielen Gebäuden lassen sich später wertvolle Materialien sammeln. Wir sollten uns mit dem Gleitflug daher nicht zu viel Zeit lassen, denn auch andere Spieler sind scharf auf die dort auffindbaren Objekte – und wer zuerst dort ist, schnappt sich alles.

Bei jeder neuen Runde landen die Spieler per Fallschirm auf einer Insel. Den Landepunkt bestimmen wir selbst. Am Boden angekommen, sollten wir zuerst nach einer Waffe suchen, um uns verteidigen zu können.

Sind wir gelandet, geht es sofort los – der Kampf ums Überleben beginnt. Nur ausgestattet mit einer Spitzhacke suchen wir nach Ausrüstung, sogenannte Items. Die Spitzhacke dient, um Objekte zu zerstören und sie in Einzelteile zu zerlegen. Mit diesen Teilen können wir nützliche Bauten errichten – dazu aber später mehr.

Vorrangig muss sich der Spieler nun um Ausrüstung kümmern. Denn ganz ohne eine richtige Waffe ist er wehrlos. Es gilt also, die Umgebung so schnell wie möglich nach Pistolen, Maschinengewehren und Munition abzusuchen, um sich bei Feindkontakt wehren zu können. Der Spieler muss sich mit dem begnügen, was ihm auf seinem Weg über die Insel vor die Füße kommt.

Das Spielfeld wird immer kleiner

Auf der weitläufigen Insel tummeln sich pro Runde bis zu 100 Spieler. Nicht jeder davon ist zwangsläufig ein Feind, wir spielen manchmal auch im Team gegen andere. Diese Teams sind unterschiedlich groß: Mal haben wir nur einen Freund an unserer Seite, mal sind wir zu viert. Manchmal spielen gar 50 Spieler gegen 50. Gewonnen hat am Ende immer das übrig gebliebene Team.

Damit es auch sicher zur Konfrontation zwischen allen Spielern kommt, verkleinert sich das Spielfeld auf der Insel im Laufe der Zeit. Die Entwickler haben es das „Auge des Sturms“ genannt. Nur innerhalb dieses Auges können wir uns bewegen, außerhalb tobt im wahrsten Sinne ein tödlicher Sturm. Schreitet die Spielrunde voran, verkleinert sich das Auge mehr und mehr, es pfercht die Spieler zusammen. Feindkontakt ist spätestens dann unausweichlich.

Als Schutz vor Angriffen von Gegnern können wir im Bau-Modus Elemente wie Treppen oder Wände in der Landschaft errichten.

Keine Waffe? Dann wird eine Wand gebaut!

Wie bereits erwähnt, ist unsere Spielfigur von Anfang an mit einer Spitzhacke ausgerüstet mit der nahezu jedes Objekt in der Spielwelt zerkleinert werden kann. Aus den Überresten gewinnen wir Baumaterial um beispielsweise Wände oder Treppen zu errichten. In Sekundenschnelle wählen wir das gewünschte Objekt und platzieren es an Ort und Stelle.

Stehen wir unter Beschuss, dient eine selbstgebaute Wand als Schutzschild – wenn auch nur vorübergehend, denn dem gegnerischen Kugelhagel hält sie je nach Baustoff nicht lange Stand. Indem wir Treppen bauen, gelangen wir an sonst schwer erreichbare Stellen. Die Bauelemente lassen sich zudem modifizieren – einer Wand wird ein Fenster oder eine Tür spendiert. Auch Treppe ist nicht gleich Treppe: Wir können breite bauen aber auch schmale, und ebenso welche, die um die Ecke gehen. All das kombiniert, errichten wir ziemlich einfach eine kleine Festung mit mehreren Stockwerken und einem Aussichtsturm. Gegnerische Spieler können diese Bauten allerdings auch wieder kaputt machen.

Dass man bauen kann, gibt „Fortnite“ eine ungewöhnliche taktische Komponente, die den meisten anderen Spielen dieser Art völlig fehlt. Die Spieler können im Kampf ums Überleben klug bauen und sich und ihrem Team einen Vorteil verschaffen. Auch nach dem Motto: Einer baut die Festung, die anderen verteidigen.

Kostenlos – aber nicht kostenfrei

Der „Battle Royale“-Modus von Fortnite ist kostenlos. Das Spiel lässt sich gratis für PC, diverse Spielkonsolen, Tablets und Smartphones herunterladen. Dennoch generiet das Spiel gigantische Umsätze für Hersteller Epic Games: allein im Mai 2018 lag der Umsatz bei 300 Millionen Dollar. Wie kann das sein?

Es liegt an sogenannten In-Game-Käufen: Die Spieler können in einem im Spiel integrierten Online-Shop für echtes Geld weitere Gegenstände kaufen. Die Zusatzpakete kosten aktuell zwischen 9,99 und 99,99 Euro. Sie sind rein kosmetischer Natur, verändern also zum Beispiel das Aussehen unseres Charakteres, haben aber sonst keinen Einfluss auf das Gameplay. Dennoch sind die Items sehr beliebt. Knapp 69 Prozent aller „Fortnite“-Spieler sollen einer Umfrage zufolge bereits Geld im Spiel ausgegeben haben.

Zusätzliche Kostüme für unsere Spielfgur können wir erspielen oder einfach kaufen – mit echtem Geld.

Warum „Fortnite“ so beliebt ist

„Fortnite“ ist vom Prinzip her nicht einzigartig. Es gibt aktuell mehrere Spiele, die das Konzept „Jeder-gegen-Jeden“ behandeln. Doch „Fortnite“ sticht aus der Masse heraus. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist die „Let’s Play“-Community, in der Spieler auf Online-Kanälen wie Twitch oder Youtube ihre Spielrunden als Video übertragen. „Fortnite“ erreichte darüber enorme Bekanntheit und wurde von etlichen Menschen erst geguckt und dann selbst gespielt. Ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Sehgewohnheiten junger Menschen verändert haben und wie der Markt das zu spüren bekommt.

Dass sich „Fortnite“ von da an in weiten Teilen der Gesellschaft etablieren konnte, liegt auch an der comichaften Darstellung – es geht zwar um Krieg, sieht aber nicht so aus. Die aggressive Grundstimmung anderer Shooter-Spiele fehlt. Stattdessen ist „Fortnite“ bunt und lustig inszeniert, an vielen Stellen sogar albern. Wer einen Gegner besiegt, kann seine Figur einen Tanz aufführen lassen, um den Besiegten zu demütigen. Diese Tänze sind inzwischen auch in der echten Welt angekommen und werden sogar von Fußballern übernommen.

Hinzu kommt, dass „Fortnite“ auf mehreren Systemen verfügbar ist – und alle Spieler dennoch gemeinsam spielen können. Das nennt sich Cross-Play und ermöglicht, dass zum Beispiel Xbox-, Playstation- und Smartphone-Spieler zusammen in einer Spielrunde landen. Die Spieler können ihr Konto außerdem übertragen und die Fortschritte, die sie zu Hause an der Konsole errungen haben, unterwegs auf dem Smartphone mitnehmen. „Fortnite“ lässt sich überall spielen, plattformübergreifend jederzeit und mit jedem.

Wie Eltern mit „Fortnite“ umgehen sollten

„Fortnite“ ist aus verschiedenen Gründen für jüngere Spieler unter 16 Jahren nicht geeignet. Die Gewaltdarstellung im Spiel wiegt dabei gar nicht so schwer, denn „Fortnite“ hat eine bunte, lustige Inszenierung – Blut oder Leichen sieht der Spieler nicht.

Problematischer ist, dass der Spieler mit jeder neuen Runde wieder sein Glück versuchen kann. „Fortnite“ animiert dazu, einfach weiter zu spielen und von vorne anzufangen. Eltern fällt es bei „Fortnite“ oft schwer in den Griff zu bekommen, dass ihr Kind nicht stundenlang spielt. Immer wieder reizt die neue Runde: Wer verloren hat, will es nochmal probieren. Und wer gewonnen hat, fühlt sich siegessicher für das nächste Match. Die Folge sind endlose Spielschleifen, aus denen vor allem jüngere Kinder nur schwer herausfinden. Dem inneren Drang nachgeben, das eigene Verhalten zu kontrollieren – das schaffen Kinder nur mit Hilfe. Eltern müssen sich also mit „Fortnite“ beschäftigen.

Pädagogen raten zu zwei Wegen: Einerseits müssen grundsätzlich Regeln zum Konsum von Videospielen her. Wie das aussieht, lesen Sie im Gamefamily-Ratgeber über Spielzeiten. Für „Fortnite“ ist ein fest begrenzter Zeitrahmen – zum Beispiel 30 Minuten und dann ist Schluss – keine gute Lösung. Denn wie lange eine Runde dauert, variiert jedes Mal. Muss der Spieler die Konsole mit dem Glockenschlag der Uhr ausschalten, kann das sehr frustrierend sein. Besser: Nach zwei Runden ist Schluss – so bleibt ein gewisser Spielraum. Der zweite Weg: Eltern sollten sich das Spiel genau ansehen, am besten sogar selbst einmal spielen. Sie sollten verstehen, worin die Faszination von „Fortnite“ liegt. Dann lässt sich darüber auch besser mit dem Kind sprechen.

Einschätzung:

„Fortnite: Battle Royale“ ist dank der witzigen Inszenierung in Comic-Grafik tatsächlich weniger brutal als vergleichbare andere Spiele. Es gibt kein Blut und keine Leichen. Doch das Problem des Spiels ist ein anderes: Es hat ein enorm großes Suchtpotential. Mit jeder neuen Runde kann der Spieler sein Können beweisen. Wer verliert, will es nochmal versuchen; wer gewinnt, fordert sein Glück erneut heraus. Die Spirale dreht sich theoretisch immer weiter. Eltern sollten dieses Spiel daher genau im Auge behalten und beobachten, wie sich ihr Nachwuchs damit verhält. Schaffen Sie klare Regeln, wie lange Ihr Kind spielen darf und seien Sie konsequent bei deren Einhaltung. Das mindert das Risiko, dass sich Kids in „Fortnite“ verlieren und andere wichtige Dinge ihres Lebens vernachlässigen.

Was die Altersbewertung angeht, so hat die USK mit ihrer „Ab 16“-Freigabe für den „Battle Royale“-Modus in zweierlei Punkten recht: Das Prinzip ist „Jeder-gegen-Jeden“, das ohne Gewalt nicht funktioniert. Trotz Comicgrafik töten wir andere Spieler. Für 12-Jährige ist das nichts! Noch mehr aber betrifft die Altersfreigabe das Suchtpotential. Ältere Spieler wissen eher, wann sie aufhören müssen. Kinder und Jugendliche brauchen da mehr Hilfe von Erwachsenen. Daher sollte „Fortnite: Battle Royale“ nicht von jüngeren Spielern gespielt werden.

Geschrieben von
... spielt leidenschaftlich an der Konsole seit er mit acht Jahren ein "Sega Master System" geschenkt bekommen hat.

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